Industrielle Automatisierungs- und Produktionssysteme sind zunehmend Cyber-Bedrohungen ausgesetzt. Was früher als zweitrangiges Problem galt, das oft erst nach Zwischenfällen angegangen wurde, ist heute zu einer strategischen Priorität für Hersteller, OEMs und Infrastrukturbetreiber geworden.
Dieser Wandel ist nicht auf Angst zurückzuführen, sondern auf die Realität: Das industrielle Umfeld verändert sich und damit auch die Art der Risiken.
Warum die industrielle Automatisierung zur Zielscheibe wird
Mit der zunehmenden Vernetzung von Fabriken werden diese auch sichtbarer und leichter zugänglich. Industrielle Systeme, die früher isoliert waren, sind heute in die Unternehmens-IT, in Remote-Service-Plattformen und in cloudbasierte Analysen integriert. Diese Konnektivität bringt Effizienz und Einblicke, vergrößert aber auch die Angriffsfläche.
Cyberkriminelle haben dies zur Kenntnis genommen. Laut ENISA und anderen europäischen Cybersicherheitsbehörden gehören die Fertigungs- und Industriebetriebe zu den Sektoren, die am häufigsten Ziel von Cyberangriffen sind, was oft auf ihre kritische Rolle in Lieferketten und Infrastruktur zurückzuführen ist.
Das Motiv ist nicht immer Spionage oder Sabotage. In vielen Fällen zielen die Angriffe darauf ab, den Betrieb zu stören, Zahlungen zu erpressen oder schwache Zugangspunkte auszunutzen, die nie für die heutige Bedrohungslandschaft konzipiert wurden.
Die besondere Verwundbarkeit von OT- und CPS-Umgebungen
Operational Technology (OT) und Cyber-Physical Systems (CPS) stellen Herausforderungen dar, die sich deutlich von traditionellen IT-Umgebungen unterscheiden.
Viele industrielle Systeme:
- wurden vor Jahrzehnten entwickelt, wobei die Verfügbarkeit, nicht die Sicherheit, die wichtigste Anforderung war;
- basieren auf veralteter Hardware und Software, die nicht einfach gepatcht oder ersetzt werden kann;
- erfordern einen kontinuierlichen Betrieb, so dass Ausfallzeiten für Aktualisierungen schwer zu planen sind;
- Fernzugriffspunkte für Wartung und Support erfordern.
Infolgedessen sind die in der IT üblichen Sicherheitskontrollen, wie z. B. häufige Updates oder aggressive Netzwerkisolierung, in der OT nicht immer durchführbar. Diese strukturelle Anfälligkeit macht industrielle Systeme zu besonders attraktiven Zielen.
Mit anderen Worten, es ist nicht ein Mangel an Bewusstsein, sondern eine Diskrepanz zwischen alten Architekturen und modernen Bedrohungen, die Risiken schafft.
Von der bewährten Praxis zur gesetzlichen Verpflichtung
Als Reaktion auf diese wachsende Gefährdung wird die Cybersicherheit nicht mehr nur durch freiwillige Richtlinien geregelt.
Die Europäische Union hat verbindliche rechtliche Rahmenbedingungen eingeführt, die sich direkt auf die Industrieautomatisierung auswirken, darunter:
- NIS2, die die Anforderungen an die Cybersicherheit für wesentliche und wichtige Unternehmen verschärft;
- der Cyber Resilience Act (CRA), der Produkten mit digitalen Elementen während ihres gesamten Lebenszyklus Sicherheitsverpflichtungen auferlegt;
- etablierte Normen wie die IEC 62443, die speziell für industrielle Automatisierungs- und Steuerungssysteme entwickelt wurden.
Gemeinsam signalisieren diese Initiativen eine klare Richtung: Cybersicherheit wird zu einer gesetzlichen Anforderung, nicht nur zu einer technischen Entscheidung.
Der Druck des Marktes stärkt die Regulierung
Neben der Regulierung legt auch der Markt selbst die Messlatte höher.
Endbenutzer, Systemintegratoren und OEM-Kunden erwarten zunehmend nachweisbare Sicherheitspraktiken. Cybersicherheit ist zu einem Auswahlkriterium bei Ausschreibungen, zu einer Voraussetzung für langfristige Partnerschaften und zu einem Faktor des Markenvertrauens geworden.
In diesem Zusammenhang ist Sicherheit nicht länger etwas, das am Ende eines Projekts hinzugefügt werden kann. Sie muss von Anfang an in Produkte, Architekturen und Entwicklungsprozesse eingebettet werden.
Ein Strukturwandel im industriellen Denken
Was wir derzeit erleben, ist keine vorübergehende Reaktion auf einzelne Vorfälle, sondern ein struktureller Wandel in der Art und Weise, wie die industrielle Automatisierung konzipiert und bewertet wird.
Die Cybersicherheit bewegt sich:
- vom Perimeterschutz zum Lebenszyklusmanagement,
- von isolierten Kontrollen zu systemweiten Architekturen,
- von einer optionalen Funktion zu einer grundlegenden Anforderung.
Für den Industriesektor stellt dies eine notwendige Entwicklung dar. Eine, die Technologie, Regulierung und Markterwartungen auf ein gemeinsames Ziel ausrichtet: widerstandsfähige, sichere und nachhaltige Automatisierung.
Unser Engagement als Gruppe
Diese Entwicklung gilt auch für uns.
Als Gruppe sind wir aktiv dabei, unsere Technologien, Prozesse und Entwicklungspraktiken an die regulatorischen und Markterwartungen anzupassen, die die industrielle Cybersicherheit heute prägen. Exor International hat bereits die IEC 62443-4-1-Zertifizierung erhalten, die einen sicheren und wiederholbaren Entwicklungslebenszyklus für industrielle Automatisierungsprodukte bestätigt.
Gleichzeitig setzen wir diesen Weg innerhalb von Exor International und der gesamten Gruppefort und arbeiten an der Fertigstellung weiterer Zertifizierungs- und Anpassungsinitiativen in diesem Bereich. Das Ziel ist klar: Wir wollen sicherstellen, dass die Cybersicherheit konsistent, strukturell und nachhaltig in unserem gesamten Angebot berücksichtigt wird.
Dies ist kein einmaliger Meilenstein, sondern eine kontinuierliche Verpflichtung.
Letzter Gedanke
Bei der industriellen Automatisierung ging es schon immer um Zuverlässigkeit und Kontinuität. Heute ist die Cybersicherheit untrennbar mit diesen Zielen verbunden.
Da die Systeme immer vernetzter und serviceorientierter werden, ist die Fähigkeit, die Automatisierung sicher zu gestalten, zu betreiben und weiterzuentwickeln, nicht länger ein Wettbewerbsvorteil, sondern eine Voraussetzung für die Geschäftstätigkeit.


